Do. 05.10. Antifa-Café

Faschistische Sozialarbeit?
Wie die neuen Faschisten versuchen den sozialen Raum zu erobern.

Die europaweit agierende extrem rechte Strömung der Identitären hat ihre Epizentren in Wien und Graz. Dennoch: Die internationale Strahlkraft dieser Gruppen zeigt sich in zahlreichen internationalen Ablegern, dem regen publizistischen wie persönlichen Austausch und diversen gemeinsamen Aktionen der letzten Jahre, zuletzt etwa dem kostenintensiven Versuch, die Arbeit von NGOs im Mittelmeer zu stören.
In Italien unterhalten derweil die Gesinnungsgenoss*innen der neofaschistischen Bewegung Casa Pound zahlreiche Stadtteilzentren und betätigen sich in größeren Städten als Sozialarbeiter*innen, die aufsuchende Jugendarbeit, Community-Organising oder Katastrophenhilfe organisieren.
Seit Jahren bauen die Identitären an eigenen Strukturen, mit dem Ziel jugendlichen Adressat*innen ein breites Angebot an soziokulturellen Aktivitäten anbieten zu können: Vereine für „Jugendarbeit“, Bildungszentren, Sommercamps, sogar ein Hausprojekt. „Wir sind patriotische Streetworker“, wird dabei verlautbart. Dass diese Art der „patriotischen Erziehung der Jugend“ letztlich nicht nur als Aufgabe von radikalen außerparlamentarischen Rechten aufgefasst wird, bewies die Freiheitliche Partei Österreich, als sie im Jahr 2016 mit der Partei Einiges Russland in einer „Vereinbarung über Zusammenwirken und Kooperation“ unter dem Punkt „Erziehung der jungen Generation im Geiste von Patriotismus und Arbeitsfreude“ ähnliche Punkte ausformulierte.
Der Vortrag der Gruppe vonnichtsgewusst untersucht einen bislang in der Auseinandersetzung mit neueren reaktionären Gruppierungen eher ignorierten Punkt: Die konkreten Manifestationen ihrer Ideologie der reaktionären Eroberung des sozialen und kulturellen Raumes in Form eigener Vereine, Häuser und Arbeitsgruppen.
Beginn: 20 Uhr | Vortrag: 21 Uhr

Mi. 4.10. das_programm

Bei Punk geht es das_programm nicht darum, mit tollem Equipment, den ausgetüfteltesten Sounds oder Szenestatus anzugeben, Es geht vielmehr darum mit dem Herzen und dem was einem gerade zur Verfügung steht Musik zu machen. Die Musik von das Programm lässt sich am ehesten als Digital Hardocore bezeichnen, elektronische Musik mit Krach, sowohl für die Beine als auch für den Kopf. das_programm besteht zur Zeit aus einem prekären migrantischen Arbeiter (Gesang, Komposition, Arrangement) einem zusammengeschusterten Computer (Sounderzeugung). Beide leben gerade viel in Berlin.
das-programm.bandcamp.com

Mi. 27.09. Bar-Cafe aka. Mittwochskafe Eröffnung

Na, alle gut durch den Sommer gekommen? Halbwegs erholt? Neue Ideen gesammelt in sich stetig zuspitzenden Verhältnissen? Dann kann es ja losgehen!
Die allerbeste Art euren Mittwochabend zu verbringen findet endlich wieder regelmäßig statt. Zum Start in die Saison haben wir uns was ganz neues überlegt: das Bar-Cafe. Wir kochen nichts und sperren nur den frisch renovierten Raum 2 auf. Dort könnt ihr an der wunderbaren Theke abhängen und euch mit Kaltgetränken und erlesener Musik beglücken lassen – ja, es wird aufgelegt! Psychedelic Rock Stüberl heißt die musikalische Losung für diesen Abend.
Das Bar-Cafe wird ab und an stattfinden, keine Angst auch das gewohnt gute Mittwochskafe findet regelmäßig statt, mit allem was ihr so lange vermissen musstet, wie Vorträge, gelegentliche Konzerte, Jukeboxabend, Gemütwochskafe und irgendwas zu Essen mit Kraut.

Fr. 15.09. Freitagskafe-Wiedereröffnung: Ancst + King Apathy + Dream Nails + Glorious Thieves

Das war’s dann endlich mit der Sommerpause. Am 15. September feiert das Freitagskafe Wiedereröffnung.

Dream Nails (Punk, London)
DIY riot grrrl punk witches aus London, UK. Ramones trifft Bikini Kill.

King Apathy (Postmetal, München)
Formerly known as Thränenkind. Post Metal aus München / Hamburg.

Ancst (Blackened Hardcore, Berlin)
Blackened Crust / Black Metal aus Berlin mit Leuten von Henry Fonda, Afterlife Kids, Goldust & Sinatra.

Glorious Thieves (Punk, Regensburg)
Melodischer Punk aus Regensburg.
Offen ab 20 Uhr

Zwei CSU-Stadträte wollen „Kafé Marat“ schließen – offener Brief an den Münchner Stadtrat

Am 8. September 2017 stellten die beiden Stadträte der CSU, Manuel Pretzl und Hans Podiuk, einen Antrag an den Stadtrat, die städtische Förderung des Vereins „Zeit, Schlacht und Raum“ e.V. einzustellen und das Mietverhältnis der von uns genutzten Räume in der Thalkirchnerstraße 102 umgehend zu beenden. Dazu beziehen wir in einem offenen Brief an den Münchner Stadtrat Stellung:

Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,
liebe Freundinnen und Freunde des „Kafé Marat“,
Am 8. September 2017 stellten die beiden Stadträte der CSU, Manuel Pretzl und Hans Podiuk, einen Antrag an den Stadtrat, die städtische Förderung des Vereins „Zeit, Schlacht und Raum“ e.V. einzustellen und das Mietverhältnis der von uns genutzten Räume in der Thalkirchnerstraße 102 umgehend zu beenden. Als Anlass und Aufhänger der Forderung dient die Aufnahme eines Plakats an der straßenseitigen Außenfassade der u.a. von uns genutzten Räumlichkeiten im ehemaligen Tröpferlbad (im Volksmund „Kafé Marat“ genannt). Der Plakatausschnitt zeigt ein Polizeifahrzeug, die Aufschrift lautet: „Hass auf Schweine – Kämpft mit uns!“.
Wir, der Vorstand des Vereins „Zeit, Schlacht und Raum“ e.V. und die Nutzergruppen des „Kafé Marat“ erklären in aller Entschiedenheit:
In politischen Konflikten und Auseinandersetzungen stehen wir für die Achtung und Wahrung der Menschenwürde aller und fordern dies auch von – ausnahmslos – allen ein. Das ist Grundkonsens, Maxime und politische Forderung des Vereins und der Nutzergruppen. Dementsprechend steht außer Frage, dass Inhalte, wie die des angesprochenen Plakates unseren politischen Idealen grundlegend widersprechen.
Für die Beurteilung des Sachverhalts und der an uns gerichteten Vorwürfe halten wir allerdings einige weitere Aspekte für enorm wichtig:
Die Aufnahme des betreffenden Plakats datiert von spätestens 2012. Anders als der Antrag der Stadträte Pretzl und Podiuk suggeriert, handelt es sich also nicht um eine aktuelle Aufnahme. Das Plakat wurde weder von Nutzergruppen des Marat angebracht, gedruckt noch vertrieben. Weder befand, noch befindet es sich in den Räumlichkeiten. Auch befinden sich aktuell an der Außenfassade des ehemaligen Tröpferlbads keine Plakate mit dieser oder ähnlicher Aufschrift.
Wir weisen die Verantwortung für die Außenfassade des von uns genutzten Gebäudes entschieden zurück. Die Fassade ist öffentlich zugänglich. Der Schluß von Parolen an der Außenfassade auf die politischen Ansichten der Nutzer ist falsch und in seiner Konsequenz gesellschaftspolitisch gefährlich. Es ist leicht auszudenken, welche Möglichkeiten der Diffamierung und Denunziation sich aus einer solchen politischen Haftbarmachung ergeben würden, z.B. für extrem rechte Gruppen.
Außerdem erscheint uns auch die Quellenlage in Bezug auf die Aufnahme des Plakates entscheidend. Anders als von Podiuk und Pretzl angegeben, handelt es sich nicht um eine private Aufnahme. Vielmehr entstammt das dem Antrag beigefügte Bild einem Screenshot aus dem Film „Der Links- Staat“ des extrem rechten Medienaktivisten Christian Jung. Jung ist in München kein Unbekannter. Der ehemalige bayerische Landesvorsitzende der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ ist ein enger politischer Weggefährte des antimuslimisch-rassistischen Agitators Michael Stürzenberger. Momentan arbeitet er u.a. für den rechtsoffenen, verschwörungsideologischen Kopp-Verlag und die AfD-nahen Internetportale „Metropolico“ und „Journalistenwatch“. Der Film „Der Links-Staat“, dem die Aufnahme entstammt, ist eine wüste Diffamierung gegen Münchner Kommunalpolitiker, Kulturzentren und verdienstvolle, stadtgesellschaftliche Initiativen. In Zeiten von Fake-News erwarten wir von unseren Münchner Stadträten einen sensiblen und kritischen Umgang mit ihren Quellen.
Der Antrag suggeriert fälschlicherweise, das „Kafé Marat“ sei so etwas wie der „Hort des Bösen“. In Wirklichkeit ist das „Kafé Marat“ ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen, politischen und sozialen Lebens im Schlachthofviertel – und weit darüber hinaus. Das „Kafé Marat“ ist ein unkommerzielles und selbstverwaltetes, soziales und kulturelles Zentrum. Um die hundert Aktive organisieren kollektiv und basisdemokratisch vielfältige kulturelle und politische Veranstaltungen. Dazu gehören Lesungen, politische Diskussionsveranstaltungen, Lesekreise, Konzerte, Ausstellungen und Partys. In ihrer Vielfalt haben alle Nutzergruppen des „Kafé Marat“ eines gemeinsam: alle beteiligen sich rein ehrenamtlich am Projekt, Entscheidungen werden kollektiv diskutiert und basisdemokratisch getroffen. Alle Gruppen eint ein antifaschistisches und antirassistisches Selbstverständnis. In seiner Form ist das „Kafé Marat“ in München und weit über die Tore der Stadt hinaus einmalig. München ohne das „Kafé Marat“, das wäre eine Stadt, in der viele Debatten, viele subkulturelle Szenen, viele politische Initiativen keinen Ort, kein Zuhause mehr hätten.
Während der Sommermonate haben unzählige Aktive die Räume des „Kafé Marat“ renoviert. Wir sind stolz auf das Erreichte. Wir wollen in Zukunft noch offener auf unsere Nachbarschaft und die Stadtgesellschaft zugehen. Daher laden wir alle, die Interesse an dem Projekt und Austausch mit uns haben, herzlich ein, auf uns zuzukommen. Sei es beim Feierabendbier, bei einem politischen Vortrag, auf einem Punk-Konzert oder in einer Gesprächsrunde.
Wir setzen darauf, dass eine klare Stadtratsmehrheit unsere wichtige Arbeit anerkennt, den Antrag ablehnt und die kommunale Förderung fortsetzt. Für die vielfältige Unterstützung in der Vergangenheit, in der jetzigen Situation und auch in Zukunft möchten wir uns herzlich bedanken.
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand des „Zeit, Schlacht und Raum“ e.V.
Die Nutzergruppen des „Kafé Marat“

Do. 7.9. Antifa-Café

Der NSU, die BRD und der rassistische Normalzustand
Zwischen 1999 bis 2011 beging der NSU drei Bombenanschläge und zehn Morde, darunter neun an migrantischen Kleinunternehmern, sowie zahlreiche Banküberfälle. Erst im Jahr 2011 enttarnte sich die nationalsozialistische Terrorgruppe durch den Selbstmord von Böhnhart und Mundlos selbst. Zwar war der NSU das Werk von militanten Neonazis, ohne die Verwicklungen des Verfassungsschutzes, den Rassismus in Polizei und Gesellschaft hätte es ihn jedoch nie in dieser Form gegeben. Es gilt daher jene Faktoren zu analysieren, die dazu geführt haben, dass der NSU seine neonazistischen Terrorakte begehen konnte. Inwieweit bestehen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die den NSU möglich gemacht haben, auch nach dessen Auffliegen fort? Außerdem soll es dem Vortrag um offene Fragen, den Prozess und die Aktionen am Tag der Urteilsverkündung gehen.
Außerdem Musik, Antifanews und kühle Getränke. In der Küche zaubert das Kulinariat.
Beginn: 20 Uhr / Vortrag: 21 Uhr

Sa. 9.9. Solidarity against Repression

Im Frühling 2011 fanden in Athen und vielen anderen griechischen Städten teilweise täglich militante Proteste gegen den Sparkurs der Regierung statt. Dieser bedeutete und bedeutet heute noch für große Teile der Bevölkerung eine garantierte Verarmung zugunsten der Rettung des Euros und der Banken. Im Zuge dieser Demonstrationen und Streiks wurden viele Menschen die Zielscheibe von staatlicher Repression. Zweck dieser Repression, war es wie immer, Aktivist*innen mundtot zu machen.
Nun besteht die Möglichkeit, unsere Freund*innen beim Freikaufen aus diesen Strafen und den entstehenden Prozesskosten zu unterstützen: Kommt alle zu unserer Soli-Party am Samstag, den 9.9.17.
Für die musikalische Gestaltung des Abends sind da: extra aus Athen eingeflogen: Xartopolemos | Hip-Hop und die Münchner ATP-Crew | Hip-Hop im Anschluss gibt es noch Aufgelege.
Von Athen bis München, Solidarität ist eine Waffe!

Sommerpause – Summerbreak

Wir sind in der Sommerpause. Im September geht’s langsam wieder los. Guckt regelmäßig mal auf unseren Blog.
Summerbreak! See you in September. Check this website for information about the next concerts and parties.

Do. 27.07. talkin ’bout a revolution N°4

Vortrag und Diskussion mit Thorsten Mense:
Einführung in die Kritik des Nationalismus
Rechtspopulistische Parteien feiern enorme Wahlerfolge, die Mehrheit der Bevölkerung Großbritanniens will die EU verlassen, Katalonien will endlich auch als Nation anerkannt werden und überall in Europa werden wieder Grenzzäune und Mauern gebaut. Der Nationalismus ist zurück, heißt es allerorts. Aber war er je weg? Was ist Nationalismus überhaupt? Und was bringt die Menschen im globalisierten 21. Jahrhundert dazu, weiterhin für ihre Nation zu arbeiten, zu sterben und vor allem: für sie zu töten?
In der Linken herrscht bis heute große Uneinigkeit bezüglich Nation und Nationalismus. Während im deutschsprachigen Raum «nationalistisch» mit rechtem Denken verbunden wird, gilt der Begriff in anderen Teilen der Welt als antiimperialistische Strategie emanzipatorischer Kämpfe. Aber im Nationalismus steckte von Beginn an beides: Der Wunsch nach Emanzipation ebenso wie Gewalt und Ausgrenzung. Nationalismus führte sowohl zur Befreiung als auch zu Massenmord, zur kollektiven Einforderung gleicher Rechte als auch zur Verweigerung derselben Rechte gegenüber Anderen. Eine Kritik muss jene Ambivalenz und Widersprüchlichkeit umfassen können.
In seinem Buch Kritik des Nationalismus setzt Thorsten Mense Nationalismus als Ideologie in Zusammenhang mit Demokratie, Herrschaft und der kapitalistischen Moderne und entwirft das Bild einer Kritischen Theorie der Nation. Darüber hinaus liefert er einen historischen Überblick revolutionärer nationalistischer Bewegungen und zeichnet die Debatten in der Linken zu Nation und Nationalismus nach. Anhand der Geschichte des linken Nationalismus wird eine Kritik des Phänomens entwickelt, die all seinen Erscheinungsformen gerecht werden soll. Das Buch zeigt die Grenzen nationaler Befreiung auf und fragt nach den Möglichkeiten antinationaler Kritik.
Beginn: 21 Uhr